Kult des Künstlers: Das Universum Klee

 

Von daher führt unsere Ausstellung ›Das Universum Klee‹ am Beispiel dieses Jahrhundertkünstlers ins Zentrum des großen Ausstellungszyklus zum ›Kult des Künstlers‹, dem sich die Nationalgalerie in diesem Herbst in all ihren Häusern verschrieben hat. Es geht um die traditionellen Formeln, die alterprobten Denk- und Redefiguren zur kultischen Selbsterhöhung des Künstlers, ebenso wie um den Kult, den ein verehrendes Publikum mit den Künstlern treibt. Klee ist in unserem Ausstellungszyklus der Protagonist für den Künstlerkult zur großklassischen Moderne. Umso richtiger erscheint Klee erstmals ausschließlich im Tempel der Moderne von Mies van der Rohe präsentiert, dem Meisterwerk von Mies, das 2008 sein 40jähriges Jubiläum feiert. Der Architekt war selbst lebenslang ein entschiedener Sammler von Klee.

Vor 85 Jahren, im Jahr 1923, hat Mies van der Rohe die bisher einzige große Klee-Retrospektive der Nationalgalerie im Kronprinzenpalais sehen können. Die damals so reichen Klee-Bestände der Nationalgalerie wurden in der Folge durch die Nationalsozialisten und ihre Aktion gegen die sogenannte ›Entartete Kunst‹ entscheidend dezimiert. Spektakuläre Verluste wie der Goldfisch, heute in der Hamburger Kunsthalle oder Die Zwitschermaschine, heute im Museum of Modern Art New York, kehren mit dieser Ausstellung auf Zeit wieder in die Nationalgalerie zurück.

Klee und Mies van der Rohe haben unter der Diktatur der Nationalsozialisten Deutschland verlassen müssen. Ebenso Heinz Berggruen, der von Berlin nach San Francisco emigrierte, um schließlich in Paris Kunsthändler zu werden, wo er durch zahlreiche Ausstellungen Klees internationalen Ruhm etablierte. Bereits 1955 hatte Heinz Berggruen in seiner Galerie in Paris eine Ausstellung mit dem Titel ›L’univers de Klee‹ veranstaltet. Heinz Berggruen war bei den ersten Planungen zu unserer Ausstellung aktiv beteiligt und hat uns durch intensive Gespräche unterstützt. Nun kann er - dem die Nationalgalerie mit dem Museum Berggruen eine unschätzbare Bereicherung ihrer durch den nationalsozialistischen Bildersturm so katastrophal geschmälerten Bestände der Klassischen Moderne verdankt - die Realisierung „seiner“ Ausstellung leider nicht mehr miterleben. Ohne sein Zutun, ohne seine kostbaren Werke von Klee aus dem Museum Berggruen und ohne seine großzügige Klee-Schenkung an Metropolitan Museum wäre diese Ausstellung nicht das geworden, was sie nun ist. Deshalb widmen wir diese Ausstellung dem leidenschaftlichen Klee-Sammler und dem großen Freund Berlins Heinz Berggruen.

 

 

 

Cult of the Artist: The Klee Universe


A National Gallery Exhibition, made possible by the Friends of the National Gallery, supported by E.ON

Paul Klee, one of the most important artists of the 20th century, was the creator of a highly individual yet at once universal pictorial language. As early as 1901, he knew that he wanted to "become a good artist." And by 1906 he noted in his diary: "All will be Klee." In strategic pursuit of these aims, in 1911 Klee began to meticulously chronicle his works in a catalogue. By the time he died, this was to contain over 9000 items.

The Nationalgalerie has now dedicated a major exhibition to Paul Klee, inviting you to embark on a journey through the fascinating Klee Universe. Embracing all stages of his creative development, the exhibition brings to life the visionary-poetic world of Klee's art in all its thematic facets, illuminating the unique way in which the artist fused the abstract and the figurative.

A central room of the exhibition looks at the analysis of Paul Klee's relationship with ten of the most important artists of his time, among them Ensor, van Gogh, Kubin, Kandinsky, Marc, and Picasso. In the surrounding exhibition space, ‘The Klee Universe' unfolds. In the manner of a Baroque emblem book, the exhibition covers the aspects of life which Klee, in his capacity as the encyclopaedist of an entire cosmos, chose to capture in his art. Klee's universe is centred around the human individual. Birth, childhood and youth are as much part of this as Eros and the world of mothers and fathers. Sections on interiors and architecture take a look at forms and objects created by man; while nature appears in images of plants, animals, and landscapes. Culture is expressed in music, theatre, script, and religion. Finally, dark and destructive forces appear in the shape of war, fear, and death. Klee's cosmos proves a universal cycle of ideas and images, an Orbis Pictus, through which the artist seeks to grasp, interpret and encrypt the world all at the same time.

With ‘The Klee Universe', comprising some 250 works, the Nationalgalerie undertakes the first comprehensive Klee retrospective in Berlin since the exhibition of his work at the Kronprinzenpalais exactly 85 years ago.

 

http://www.kleeinberlin.org/de/exhibition/